Elementares dynamisches jQuery Schachbrett

22. Januar 2012

Ein möglichst elementares Schachbrett mit der Möglichkeit einer Zugeingabe zu erstellen, lautete am heutigen Tag mein ToDo für ein aktuelles Web-Projekt. Nichts neues im Grunde, aber was ich nach der ersten Recherche finden konnte, war entweder auf die reine Darstellung beschränkt oder mit Zusatzfunktionen überladen, die ich nicht benötigte. Dennoch waren ein paar gute Ideengeber dazwischen, so dass ich vielfältig inspiriert rasch meine eigene Lösung umsetzten konnte. Herausgekommen ist dabei ein elementares dynamisches Schachbrett, powered by CSS und jQuery, das ohne Grafikdateien auskommt. Die Figuren können per Maus gezogen werden, eine Zugüberprüfung findet nicht statt. Die Ausgangsposition wird im FEN-Format angegeben. Die ID eines Feldes (div) enthält die Feldkoordinaten, beispielsweise e4, und der Inhalt eines div-Elements ist dessen Figur, als Unicode-Zeichen abgelegt. Der Quellcode kann frei kopiert, modifiziert und genutzt werden. Die HTML, CSS, und JavaScript-Datei stehen hier als ZIP-Archiv zum Download bereit.

UltraVncSC-Übertragung sicher verschlüsseln

7. Januar 2012

Die Aktuelle UltraVncSC-Version (Update 2011) bringt bereits von Haus aus die Möglichkeit mit, die Server-Client-Verbindung zu verschlüsseln. Da es sich hierbei jedoch um eine symmetrische RC4-Verschlüsselung handelt, kann jeder, der im Besitz des Schlüssels ist, die Verbindung mitlesen, bzw. als Client eine Verbindung annehmen. Wer seine persönliche UltraVncSC-Datei im Netz zum Download bereitstellt, und somit auch den Schlüssel öffentlich verfügbar macht, kann demzufolge die Privatheit der Verbindungen dieses SC-Servers nicht mehr sicherstellen. Abhilfe schafft eine asymmetrische Verschlüsselung, die in der aktuellen UltraVnc-Version (1.0.9.6.1) über das mitgelieferte Plugin SecureVNC-DSM leicht aktiviert werden kann. Die Single-Click-Ausgabe dagegen verwendet das MSRC4-DSM-Plugin für seine RC4-Verschlüsselung, es gilt also, dieses gegen das SecureVNC-DSM-Plugin auszutauschen. Dies geschieht wie folgt:

  • Installieren Sie das aktuelle UltraVnc
  • Generieren Sie über das SecureVNCP-Plugin einen neuen Client-Schlüssel (Server->Admin Properties->DSM-Plugin->Config). Es wird ein Schlüsselpaar ClientAuth.pubkey und Viewer_ClientAuth.pkey erstellt.
  • Legen Sie Viewer_ClientAuth.pkey im UltraVnc-Programmordner ab
  • Downloaden Sie die custom.zip-Datei und passen Sie diese nach Ihren Vorgaben an
  • Generieren und Downloaden Sie über den online creator mithilfe Ihrer ZIP-Datei Ihr persönliches UltraVncSC
  • Entpacken Sie Ihre UltraVncSC-Version (7-Zip-Archiv,  es handelt sich um eine sich selbst extrahierende SFX/EXE-Datei)
  • Tauschen Sie rc4.key gegen ClientAuth.pubkey aus
  • Tauschen Sie MSRC4Plugin.dsm gegen SecureVNCPlugin.dsm aus (SecureVNCPlugin.dsm befindet sich im UltraVnc-Programmordner)
  • Benennen Sie SecureVNCPlugin.dsm in MSRC4Plugin.dsm um
  • Packen Sie (beispielsweise mittels IExpress) alle Dateien wieder in eine SFX/EXE-Datei und geben Sie winvnc.exe als auszuführende Datei an

Ihre modifizierte persönliche UltrVncSC-Version ist jetzt einsatzbereit und kann zu Ihrer UltraVnc-Installation die gewünschte asymmetrisch verschlüsselte Verbindung herstellen. SecureVNC ist zudem nicht nur auf ein Schlüsselpaar beschränkt: es lassen sich beliebig viele generieren und parallel verwenden, SecureVNC sucht sich den passenden Schlüssel beim Verbindungsaufbau automatisch heraus.

Mond-Jupiter-Konjunktion

20. Oktober 2011

Den 8. Juni 2004 hatte ich mir freigehalten und zwar in Form einer unentschuldigten Fehlstunde bei einem Seminar zu Axelrods “Die Evolution der Kooperation”. Das Seminar war durchaus interessant und die Entscheidung, einen Teil davon mit Absicht zu verpassen, fiel mir schwer. Auf der anderen Seite stand ein Venustransit bevor und da ein solcher nur selten zu beobachten ist, wollte ich mir diese Gelegenheit nicht entgehen lassen. Kurz vor dem ersten Kontakt zwischen Venus und Sonne begaben wir uns zum benachbarten Observatorium, denn ohne entsprechende Ausrüstung war nicht viel zu sehen und mein Gewissen begann mich zu plagen. Das Team der Sternwarte war perfekt vorbereitet und trotz des relativ großen Andrangs konnten wir bald einen Blick durch eines der zahlreichen auf die Sonne ausgerichteten Teleskope werfen. Ich bekam ein Bild zu sehen, das ich niemals vergessen werde: die Fehlstunde war mit einem Schlag gerechtfertigt. Ein wortwörtlich kosmisches Erlebnis machte mir die unendliche Größe des Universums mehr bewusst, als ich je zuvor für möglich gehalten hätte. Wie winzig ist doch ein Planet im Gefüge des Universums – was ist schon die Evolution, was ist schon ein Uni-Seminar? Seitdem sehe ich den Himmel mit anderen Augen und besonders die Venus nicht mehr als fernen Stern, sondern als das, was sie tatsächlich ist: ein erdähnlicher Planet. So auch am Abend des 31. Dezember 2008, als wir uns auf dem Weg nach Gent befanden, um dort mit Familie und Freunden in das neue Jahr zu feiern. Mond und Venus hatten sich einander angenähert und begleiteten uns auf der Autobahn: es war ein faszinierender Anblick, der sich nur schwer in Worte fassen lässt. Ich weiß heute nicht mehr, warum wir nicht für ein Foto angehalten haben, vermutlich wollten wir uns nicht weiter verspäten. Letzte Woche allerdings stand eine spontane Fahrt nach Belgien an, und dieses Mal war es auf dem Rückweg, dass bei einem Blick in unser Sonnensystem mir Mond und Jupiter für einen Moment alles Irdische sehr relativ erscheinen ließen. Und ich dachte mir: was ist denn schon die Zeit für ein Foto?

Der konstruierte natürliche Gratwanderweg

5. Oktober 2011

Erkrath, Stadt im Grünen – die Stadt mit dem natürlichen Wachstum. So lautet der Titel einer Stadtbroschüre, die die Stadt Erkrath zu Beginn der 80er Jahre herausgegeben hat. Im Grünen befindet sich Erkrath zweifelsohne, aber dem natürlichen Wachstum widerspreche ich. Ist doch die “Neue Stadt Hochdahl” schon damals fester Bestandteil der Erkrather Geschichte gewesen, so verdankt Erkrath ihren Wachstum einer ganz und gar unnatürlichen Planstadt. Dabei ist es gerade dieses Technische, Geordnete und Entworfene, das eine gewisse Faszination in sich trägt. Es ist ein kleines Meisterwerk, dass der Sprung vom Reißbrett in die Wirklichkeit gelungen ist. Schade, dass selbst die Stadtverwaltung dieses überaus interessante Phänomen lieber verkennt, anstelle es hervorzuheben. Um hier etwas gegenzusteuern, werde ich an dieser Stelle unter der Kategorie “Erkrath” verschiedene Erkrather Sehenswürdigkeiten vorstellen, die den Fokus auf die besondere Entwicklung Erkraths richten. Der natürliche Aspekt wird dabei nicht unter den Tisch fallen, ebenso wenig die Dinge, die man eher nicht in einer Neuen Stadt oder deren Umgebung anzutreffen erwartet, wie beispielsweise folgender Gratwanderweg, der einem Erkrather Besucher kurz das Gefühl gibt, in einer alpinen Gegend unterwegs zu sein, denn es geht auf beiden Seiten um einige Meter steil nach unten. Natürlich ist der Weg allemal – aber er hat auch etwas Konstruiertes.

Wegabschnitt

Die Endpunkte dieser besonderen Passage befinden sich jeweils auf 51.2192426°N 889470°E und 51.218388°N 6.890323°E. Der Wegabschnitt steht hier als GPX-Datei zum Download bereit.

Bilder

Herbstcheck

4. Oktober 2011

Mit 11 Tagen Sonne am Stück hat der Herbst großzügig für den abhanden gekommenen Sommer entschädigt. Aber jetzt geht es schlagartig auf die Wintersonnenwende zu und schaltet sich die Klimaanlage im Auto voraussichtlich erst auf der gegenüberliegenden Seite der Ekliptik wieder ein. Die Tage werden kürzer, die Nächte kühler. Ein fleißiges Eichhörnchen macht es vor: der Herbstcheck ist fällig. Vor einigen Jahren hatte es uns um diese Jahreszeit für 9 Monate nach Flers verschlagen, ein kleines verschlafenes Städtchen tief in der Basse-Normandie. Mit dem Wohnmobil im Spätsommer angereist, drängte sich bei einem ähnlichen Wetterwechsel wie heute die Frage nach der Überwinterung auf. Das Wohnungsangebot für eine temporäre Unterkunft war knapp,  die wenigen Offerten sagten uns kaum zu und so kam es, dass wir den Entschluss fassten, das Wohnmobil als Winterquartier einzurichten. Das war eine goldrichtige Entscheidung, die ich immer wieder genau so treffen würde.

Somit stand ein ausgiebiger Herbstcheck an, mit dem Ziel, das Wohnmobil durch ein Klima zu führen, dem es vorher noch nicht ausgesetzt gewesen war. Wir füllten Sandsäcke, schnürten alles doppelt und dreifach fest, legten einen Teppich über den anderen, erhöhten die Heizungskapazität, isolierten Türen und Fenster, installierten einen Fluter im Eingangsbereich und deckten uns mit Teelichtern ein. Der Camping wurde immer leerer, es stellte sich heraus, dass wir als einzige dort überwintern würden. Verunsichert hatte uns dieser Umstand nicht, denn schon jetzt spürten wir die Vorzüge, von denen wir in den kommenden Monaten profitieren würden, nämlich die Nähe zur Natur erfahren zu können in einer Jahreszeit, in der man ihr gewöhnlich mittels Rolladen, Beton und Daunen möglichst fern bleibt. Plötzlich werden die feinsten Unterschiede spürbar, die kontinuierlichen Veränderungen in der Pflanzen- und Tierwelt lassen sich hautnah beobachten, es ist nicht alles trüb, nass, kalt und dunkel, man kennt den Zeitpunkt der Sonnenauf- und Sonnenuntergänge sowie die aktuelle Mondphase, spürt regelrecht die besonders kalten Nächte, freut sich über wärmere Perioden und passt sich stetig dem Zeitplan der Natur an. Die Tiere legen ihre Scheu ab, sei es das ausgewilderte Kaninchen, der Katzennachwuchs der Anwohner, die ausgebüchste Kuh, die Eule im Wald, die sich zwar nicht blicken, aber immer deutlicher hören lässt und uns durch die nächtliche Dunkelheit begleitet.

Insgesamt eine Erfahrung, die mich sehr geprägt hat und an die ich mich an Tagen wie heute gerne erinnere. Nun steht ein Zurückschneiden der Hecken und Pflanzen an, der Rasen wird noch einmal gemäht, Blumentöpfe werden isoliert, Wasserleitungen stillgelegt und Winterreifen aufgezogen. Alles im Hinblick darauf, den Winter zu überbrücken, wie es das Eichhörnchen tut. Nicht aber, um ihn zu erleben.

Alles nur eine Frage des Geldes

31. August 2011

Irgendwo auf dieser Welt fristete ein Wäldchen ein relativ unbeachtetes Dasein. Es ist ein naturbelassener Ort, an dem sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, eingebettet in eine Hügellandschaft, relativ weit oben, so dass die Aussicht über die umringenden Äcker und Blumenwiesen in eine scheinbar unendliche Weite ragt. Im anliegenden Tal entspringt eine Quelle, die einen kleinen Bachlauf speist. Ein vererbtes Stück Familienbesitz und -geschichte, eine Stück Idylle, dessen Inhalt die Eigentümer weitestgehend nur noch aus Erinnerungen an früher kennen. Aber die Zeiten ändern sich und wir ändern uns mit ihnen – manchmal sogar schlagartig, wie in diesem Fall nach einem Telefonanruf eines freundlichen Mitarbeiters einer Unternehmensgruppe, die im Sektor für erneuerbare Energien agiert. Der Wald hat Interesse geweckt oder vielmehr seine Lage: kein Wort wird verloren über das schöne Fleckchen Erde, sondern von einer neuen Windkraftanlage ist die Rede und von Verträgen und natürlich von Geld. Der Rotor eines geplanten Windrades würde das angrenzende Flurstück überstreichen. Deswegen müssten dessen Grundeigentümer ein gewisses Rotorrecht einräumen und würden sie im Gegenzug eine nicht unerhebliche finanzielle Entschädigung erhalten. Der Deal wird mit ein paar wohl gewählten Worten schmackhaft gemacht, etwas anderes als zuzuschlagen wäre Unsinn, ohnehin hätten die weiteren Miteigentümer bereits alle unterschrieben, die Unterlagen seien auf dem Postweg unterwegs.

So bleibt also Zeit, über das Angebot nachzudenken. Mit der Fukushima-Tragödie sowie den Kontroversen über die AKW-Abschaltungen im Gedächtnis fällt es vorerst schwer, etwas gegen regenerativer Energie auf die Waage zu legen. Im WWW lassen sich keine Spuren einer möglichen Protest-Bewegung gegen die angesprochene Windkraftanlage finden. Ganz im Gegenteil, es scheint nur Gutes an der Sache zu geben: der Bürgermeister begrüßt die neue Wertschöpfung vor Ort, Stadt und Einwohner profitieren von günstigeren Strompreisen, und wer möchte, kann sogar privat investieren und bekommt vom hausgemachten Kuchen auch etwas ab. Was ist aber mit den Nachbardörfern, dem Landschaftsbild, den klimatischen Auswirkungen, der Lärmbelästigung, dem Schattenwurf, dem Diskoeffekt, dem Vogel- und Fledermausschlag und den vielen anderen negativen Dingen, von denen man so hört? Gibt es wirklich keine Gegenstimmen? Vielleicht lassen sich die Antworten vor Ort finden.

So wird dem Waldstück nach vielen Jahrzehnten wieder ein Besuch abgestattet. Ein Rehbock flüchtet sich in das Gestrüpp. Irgendwie ein schöner Gedanke, dass dieses Tier sich gerade in diesem Wald geborgen fühlt. Die Fahrwege sind zugewachsen: entlegen und unberührt ist es hier immer noch. Anwohner gibt es selbst im weiteren Umkreis keine: ein Windrad dürfte an dieser Stelle niemanden stören. Weiter östlich steht bereits ein Windpark, eine Erweiterung dieser Anlage wäre möglicherweise besser, als anderswo neue Gebiete zu erschließen. Damit wären auch die Landschaftsbedenken aufgehoben. Es blieben die Gegenargumente hinsichtlich Natur- und Klimaschutz, wobei Windenergie das geringere Übel wäre, insofern es zur Förderung der erneuerbaren Energien sowie der Abschaffung von Kernenergie beitragen könnte. Der Rückweg führt an laufenden Windrädern vorbei. Es surrt, brummt, rattert, klopft und quietscht in deren Nähe und an Schönheit lässt sich ihnen auch nicht gerade viel abgewinnen. Die Waldidylle mit dem hüpfenden Reh wäre dahin. Passanten berichten davon, dass sie die Windräder zwar nicht unbedingt bräuchten, diese würden aber auch nicht stören. Zudem ließe deren Bau sich ohnehin nicht verhindern und gäbe es schließlich die Entschädigungen.

Hiermit wären wir wieder am Anfang – letztendlich dreht sich alles ums Geld. Das Gefühl, etwas Richtiges zu tun, ist lediglich eine Beigabe, als Ansporn, um das Gewissen über eine innere Hemmschwelle zu tragen, wenn es um den Wunsch nach Profit geht. Der freundliche Mitarbeiter hatte in seinem Telefonat von Anbeginn das Thema nicht verfehlt. Warum dann aber die dreiste Lüge, es würde nur noch eine Unterschrift fehlen? In Wahrheit hatte noch niemand unterschrieben. Ein Versehen? Wird womöglich doch noch etwas hinter dem Berg gehalten? Nein, es ist nichts von alledem. Es handelt sich bloß um kalkuliertes Geschäftsdenken: es könnte um noch mehr Geld gehen.

Geblitzt an der niederländischen Grenze

24. Juli 2011

Wer an den niederländischen Grenzübergängen auf der Autobahn trotz Einhaltung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit geblitzt wird, muss keinen unberechtigten Bußgeldbescheid befürchten. Es handelt sich um eine Kennzeichenerfassung im Rahmen einer in diesem Jahr eingeführten automatisierten Grenzüberwachung der niederländischen Nationalpolizei. Primäres Ziel ist es, diejenigen bei der Einreise aufzuspüren, die etwas auf dem Kerbholz haben. Ausländische Kennzeichen werden zwar erfasst, ob in diesem Fall allerdings auch tatsächlich ein Datenbankabgleich erfolgt, weiß ich nicht. Wer aber noch ein offenes Knöllchen mit einer niederländischen IBAN-Nummer irgendwo herumliegen hat, der wäre womöglich nicht schlecht beraten, dieses zu begleichen – zumindest wenn ein anstehendes Reiseziel in naher Zukunft in oder durch die Niederlande führt. Quelle: Camera scant kenteken bij grens

Soundtrack Trailer “Life in a Day”

5. Juli 2011

Schon länger war ich auf der Suche nach dem Soundtrack des “Life in a Day“-Trailers. Heute habe ich mein Glück erneut probiert und ich bin dieses Mal fündig geworden: es handelt sich um den Track “Future Prospekt” aus dem Album “cinematic songs” von Biggi Hilmars – in voller Länge abspielbar über diese Seite.

Vermeintliche Empathie

15. Mai 2011

„Wenn ein Löwe sprechen könnte, wir könnten ihn nicht verstehen.“ Es ist Wittgensteins Spätwerk „Philosophische Untersuchungen“, in dem dieses bekannte Zitat nicht nur zu finden ist, sondern das auch dessen Kernaussage für mich überzeugend darlegt. Verstehen erfordert mehr als das Erfassen des reinen Wortsinns. Und es hat Barrieren, eine davon befindet sich zwischen Mensch und Tier. Geht man des Weiteren davon aus, dass Empathie ohne Verstehen nicht zustande kommen kann, dann ergibt es, unter diesen Annahmen, keinen logisch vertretbaren Sinn, empathische Verbindungen zwischen Mensch und Tier für möglich zu halten – wenn auch begeisterte Haustierbesitzer, engagierte Tierschützer, ehrgeizige Tierfilmer und unterhaltsame Zoo-Pfleger zumeist das Gegenteil suggerieren. Soweit die Theorie.

In der Realität bin ich seit einigen Wochen mit einem Amselpaar konfrontiert, das sich in unmittelbarer Nähe und, von meinem PC-Tisch aus gesehen, ständig im Blickfeld befindend, eine verwilderte Rosenhecke als den diesjährigen bestmöglichen Neststandort auserkoren hat. Die Balz, der Nestbau, das Brüten und nun die Aufzucht: ich bin von Anfang an live und nonstop in der ersten Reihe dabei. Dem gegenüber bleibt auf Dauer niemand gleichgültig. Ich sorge mich, ob das Amselweibchen auch im Auge behält, dass die Eier nicht auskühlen. Ob sie denn den frequentierten Katzenbesuch beachtet hat? Und die Statik der Hecke: die kippt doch zuweilen nach heftigem Regenfall gefährlich weit nach vorne? Ärgert sie sich über das sich anbahnende Gewitter? Ist es für sie selbstverständlich, den Hagelsturm als „amselscher“ Schutzschild über das Nest abzuwehren? Ist sie erleichtert darüber, dass das Wetter überwiegend angenehm ist? Und darüber, dass ihr Partner ihr wieder zur Seite steht, sobald die Jungen geschlüpft sind? Findet der Nachwuchs den Futter-Service väterlicherseits besser, oder warum wird bei seinem Anflug deutlich kräftiger gepiept? Oder wird mütterlicherseits einfach nur zu viel sauber gemacht und bewacht?

Ertappt. War das nicht ein Fünkchen der Empathie? Könnte man den Löwen womöglich doch verstehen? Nein, mit all dem hat die Amselfamilie nichts am Hut: es ist nichts anderes als Anthropomorphisierung. Am vierten Lebenstag werden weiter fleißig Würmer verfüttert – welcher Mensch vermag schon zu verstehen, was das für einen Amsel-Nestling bedeutet? Die Theorie ist nicht in Frage gestellt. Dennoch lasse ich mich nicht davon abbringen, auch zukünftig regelmäßig die Einsturzgefahr der Hecke zu überwachen, die Nesttarnung in Stand zu halten, Katzenbesuch auszusperren, Frischwasser zu liefern und etwas öfter als gewohnt den Rasen zu mähen. Sie werden es mir zwar nicht danken, aber ich habe meine Freude daran.

Chronologisch sortierte Bildergalerie

Wie du mir, so ich dir

3. Mai 2011

Trotz des sommerlichen Wetters hält mich zur Zeit ein Winter-Bazillus hartnäckig in Schach. So wollte ich, als ich heute die ersten Nachrichtenmeldungen sah, zum Fieberthermometer greifen. Ist das die Wirklichkeit? 37 Grad – leider ja. Auf allen Kanälen wird gratuliert, begrüßt und gejubelt. Im Hintergrund das Rauschen einer “Wie du mir, so ich dir”-Welle. “Ein Christ sollte niemals den Tod eines Menschen begrüßen” erhasche ich irgendwo. Wohltuende Worte im ersten Moment, aber auf den zweiten Blick stört auch hier etwas. Niemand sollte jemals den Tod eines Menschen begrüßen. So schwer ist das doch nicht.

“Die USA können endlich feiern, den Tod von bin Laden, den Tod des Staatsfeindes Nr. 1.”
Kommentar zu Bilder, die eine jubelnden Menge aus Washington zeigen, 2. Mai, ZDFheute 12:00 Uhr

“Ich freue mich darüber, dass es gelungen ist, bin Laden zu töten.”
Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende Angela Merkel, 2. Mai,  Pressestatement (YouTube)

“And finally, last week, I determined that we had enough intelligence to take action, and authorized an operation to get Osama bin Laden and bring him to justice.”
US-Präsident und Friedensnobelpreisträger Barack Obama, 1. Mai, Statement zur Tötung bin Ladens